VII.3 Dehnung und Kompression fester Körper



Versuch VII.4: Dehnung eines Stabes

Versuch VII.5: Dehung eines Kautschukbandes

Versuch VII.6: Zerreißspannung



Zunächst betrachten wir nur elastische Verformungen, d.h. Verformung, die wieder vollständig zurückgehen, wenn keine sie hervorrufende Kraft mehr wirkt. Als Beispiel einer solchen Verformung betrachten wir einen Versuch:

Versuch VII.4: Dehnung eines Stabes

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Ein Stab der Länge l und der Querschnittsfläche A wird an einem Ende fest eingespannt, auf einer parallelen Skala wird seine Länge markiert. Dann wird mit einer Kraft am unteren Ende des Stabes gezogen. Die Längenänderung des Stabes wird ebenfalls an der Skala markiert. Nachdem die Kraft nicht mehr wirkt, zieht der Stab sich wieder auf seine ursprüngliche Länge zusammen.

Die markierte Differenz der Länge des Stabes D l in belastetem und unbelastetem Zustand kann nun abgelesen werden. Führt man diesen Versuch für verschiedene Stäbe und verschiedene Kräfte durch, so findet man experimentell, daß D l << l ist. Das Verhältnis zwischen der ursprünglichen Länge des Stabes und der Längenänderung durch eine Krafteinwirkung nennt man seine Dehnung. Die Einheit der Dehnung ist 1:

Einheitenbetrachtung: [e ] = = = 1


Definition VII.1: Das Verhältnis zwischen der ursprünglichen Länge eines Körpers und der Längenänderung durch eine Krafteinwirkung nennt man Dehnung :

Bei diesem Versuch stellt man ebenfalls fest, daß die Dehnung nicht nur abhängt von der Kraft, mit der gezogen wird, sondern auch von der Querschnittsfläche des Stabes. Man definiert deshalb eine weitere Größe aus einem wichtigen Verhältnis:


Definition VII.2: Das Verhältnis von aufgewendeter Kraft, mit der an einer Fläche A gezogen wird, und der Fläche selbst, nennt man Spannung:

Einheitenbetrachtung: [s ] = =.

Das Verhältnis von Dehnung zu Spannung ist gegeben durch eine Proportionalität

e ~ s


Notation VII.2: Die Proportionalitätskonstante wird Dehnungskoeffizient genannt und mit a abgekürzt.

Damit folgt

Mit der Definition der Spannung und der Dehnung gilt

Statt des Dehnungskoeffizient a benutzt man häufig das Elastizitätsmodul .


Notation VII.3: Den Umkehrwert des Dehungskoeffizienten bezeichnet man mit E und nennt ihn Elastizitätsmodul.

Damit lautet das Gesetz für die Dehnung

.

Dieses Gesetz ist analog zum Federgesetz Fa = K x.


Merke: Das Dehnungsgesetz ist eine Form des Hook'schen Gesetzes. Es lautet:

Einheitenbetrachtung: [E] = [s ] = =.

Bei der Dehnung eines Körpers tritt zudem eine Querkontraktion auf. Das zeigen wir in einem weiteren Versuch:

Versuch VII.5: Dehnung eines Kautschukband

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Der Versuchsaufbau ist derselbe wie zuvor, nur mit dem Unterschied, daß diesmal statt eines Stabes ein Kautschukband der Breite d gedehnt wird. Um die Verformung besser beobachten zu können, ist auf dem Band ein Kreis aufgezeichnet. Dehnt man das Band, so verformt sich der Kreis des Radius r zu einer Ellipse mit einer kleineren Halbachse < r.

Die Änderung der Breite d wird wieder mit dem Verhältnis angegeben:

Die ganze Verformung wird beschrieben durch das Verhältnis der Dehnung zur Querkontraktion.

m = -


Merke: Die Verformung einer Fläche wird beschrieben durch das Verhältnis der Dehnung zur Querkontraktion. m = - . Das Verhältnis wird angegeben mit der Poissonschen Zahl m .

Die Poissonschen Zahl m ist nach dieser Definition immer kleiner eins.

Betrachten wir nun die Volumenänderung anhand eines Quaders mit der quadratischen Fläche

A = und der Länge l:
D V = (d + D d)2 × (l + D l ) - d2l

Vernachlässigt man alle Terme mit D 2, dann gilt

mit (D d)2 = 0
Þ D V = (d2 + 2d D d) (l + D l ) - d2l

und mit D dD l = 0
Þ D V = d2 D l + 2l d D d.

Für das Verhältnis Volumenänderung zu Volumen gilt dann

mit V = d2l

Û

mit und Û


Merke: Die Volumenänderung eines Quaders durch E und m ausgedrückt lautet .

Dieser Ausdruck ist positiv, wenn die Poissonsche Zahl größer als 0,5 ist.

Nun betrachten wir die Kompression eines Körpers.

Kompression wird verursacht durch die Einwirkung eines allseitig gleichmäßigen Druckes p auf einen Körper. Definieren wir zunächst den Begriff des Drucks:


Definition VII.3: Der Druck p ist der Betrag der Kraftkomponente Fn normal zur Fläche geteilt durch die Fläche A, auf welche die Kraftkomponente wirkt: .

Die Einheit des Drucks wird in verschiedenen Systemen unterschiedlich angegeben. Offiziell rechnet man im SI mit Pascal, gebräuchlich ist aber immer noch die Einheit Bar. Um die Umrechnung zu erleichtern, folgt hier eine Tabelle mit den gebräuchlichsten Einheitenbezeichnungen:

 

Einheit

 

Zeichen

Faktor zur Umrechnung in

Pa bar at atm Torr

Pascal

= 1 Nm-2

Pa

1

10-5

1.02 · 10-5

9.87 · 10-6

7.50 · 10-3

Bar

= 105 Pa

= 0,1 MPa

bar

105

1

1.02

0.987

7.5 · 102

Techn. Atmosphäre

at

9.81 · 104

0.981

1

0.968

7.36 · 102

Phys. Atmosphäre

atm

1.013 · 105

1.013

1.033

1

7.6 · 102

Torr

Torr

1.333 · 102

1,333 · 10-3

1,36 · 10-3

1.32 · 10-3

1


Merke: 1 bar » 1 at und 1 hPa = 1 mbar

Nun betrachten wir einen Würfel, der an drei Seiten festgehalten wird und auf dessen drei freie Seiten der Druck p wirkt.

Die Volumenänderung können wir direkt berechnen aus

wegen s = folgt

mit

Die so ermittelte Proportionalitätskonstante k wird Kompressibilität genannt. Analog zum Elastizitätsmodul definiert man ein Kompressionsmodul.


Notation VII.4: Den Umkehrwert der Kompressibilität bezeichnet man mit K und nennt ihn Kompressionsmodul .

Die Volumenänderung ist also proportional zum Druck. Sie wird angegeben durch das Kompressionsmodul, das zusammenhängt mit E und m über die Gleichung

.

Da < 0 ist gilt für positiven Druck p > 0: k > 0 und m < 0.5

Nun wollen wir in einem weiteren Versuch untersuchen, was passiert, wenn man einen Draht über die elastische Grenzen hinaus ausdehnt.

Versuch VII.6: Zerreißspannung

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Bei diesem Versuch wird ein Kupferdraht an der Wand des Vorlesungssaals befestigt und über eine Umlenkrolle mit einer Federwaage nach unten gezogen. Die Umlenkrolle ist mit einem Zeiger versehen, der die Umdrehung und damit die Längenänderung des Drahtes anzeigt. Zunächst wird nur leicht am Draht gezogen, bis der Zeiger einen gut ablesbaren Winkel anzeigt. Wir lesen den Winkel und die Kraft ab, die die Längenänderung hervorgerufen hat. Dann lassen wir den Draht los und überprüfen, ob der Zeiger auf den Nullpunkt zurück schwenkt. Wenn dies der Fall ist, war die vorgenommene Verformung elastisch und wir können aus den abgelesenen Daten das E-Modul berechnen.

Danach ziehen wir so lange an dem Draht, bis er reißt. Dabei kann über Zählen der Umdrehungen des Zeigers die Längenänderung ermittelt werden. Analog wird dann das E-Modul berechnet, es gibt jetzt die Zerreißspannung an.

Zwischen Zerreißen und elastischer Verformung liegen natürlich noch andere Bereiche. Von einem Gummiband ist uns bekannt, daß man es elastisch spannen kann, und es nimmt seine ursprüngliche Länge wieder an. Zieht man etwas zu fest, so leiert das Gummi aus, und es kehrt nicht wieder in seine Ausgangsform zurück. Zieht man dann fest genug, zerreißt es.

Dieses Verhalten sieht bei Metallen skizziert wie folgt aus:

1. Elastischer Bereich: 0 - A (bzw. A')

Die Abbildung zeigt, daß im Hook'schen Bereich die Verformung bis zur Proportionalitätsgrenze (A) rein elastisch ist. Bis zu diesem Punkt sind Spannung und Dehnung proportional (e ~ s ) und die Spannungs-Dehnungs-Kurve ist eine Gerade. Aus meßtechnischen Gründen wurde die Elastizitätsgrenze (b 0,2) (A') eingeführt, bei der die verbleibende Verformung 0,01 % beträgt. Bis hierher nimmt die Dehnung zwar etwas stärker zu, aber die Verformungen lassen sich in beiden Richtungen identisch durchlaufen.

2. Inelastischer, plastischer Bereich: B - E

Oberhalb
b 0,2 knickt die Kurve ab und erreicht bei weiterer Belastung die Streck- oder Fließgrenze (b s) (B). Ab dem Punkt B beginnt das Fließen des Metalls, d.h. ganze Bereiche im Polykristall verschieben sich gegeneinander. Bei einigen Metallen tritt dann wieder eine Verfestigung ein, die durch die Gleitmöglichkeit des Stoffes festgelegt ist. Bei weiterer Belastung nimmt dann die elastische Spannung bis zu einem maximalen Wert wieder zu. Die an diesem Punkt (D) wirkende Höchstspannung wird als Zug- bzw. Zerreißfestigkeit (-spannung) (b z)bezeichnet oder auch als Bruchdehnung (s B).

Die Verformungen, die zwischen der Elastizitätsgrenze (A') und der Bruchdehnung (D) auftreten werden als plastische Verformungen bezeichnet. Trotz dieser Verformungen läßt sich ungefähr eine Gerade parallel zur ursprünglichen in beide Richtungen durchlau-fen, da einzelne Teilbereiche noch elas-tisch bleiben. Die bei der Be- und Entlastung durchlaufenen Geraden werden als elastische Hysterese bezeichnet.

3. Zerreißen: nach E

Bei weiterer Belastung nach der Bruchdehnung (D) schnürt sich der Draht ein, es erfolgt eine Querschnittsverminderung, die Spannungs-Dehnungs-Kurve 'fällt ab' und der Stab reißt an dieser Stelle im Punkt (E).


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