

II.5.1 Gradlinige Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit
Versuch II.1: Die Luftkissenbahn
II.5.2 Gradlinige Bewegung mit konstanter Beschleunigung
Versuch II.2: Freier Fall
II.5.3 Gradlinige Bewegung mit konstanter Beschleunigung
Versuch II.3: Schiefe Ebene
II.5.4 Beispiel einer nichtlinearen Bewegung
Versuch III.4: Der horizontale Wurf

Betrachten wir im Folgenden eine eindimensionale Bewegung in x-Richtung. Diese Bewegung läßt sich, wie bereits gezeigt, in einem Weg-Zeit-Diagramm darstellen. Gegeben sei nicht die exakte Bewegungsgleichung, sondern das Weg-Zeit-Diagramm:
Über Differentation der Funktion x(t) kann jetzt die Funktion v(t) errechnet werden.
Analog kann mit der ersten Ableitung der Geschwindigkeitsfunktion nach der Zeit auch die Beschleunigungsfunktion errechnet werden.
Nimmt man die Funktion a(t) als gegeben, so kann man über Integration v(t) und x(t) errechnen.
Versuch II.1: Die Luftkissenbahn
Eine Bewegung längs einer Geraden wird gradlinige Bewegung genannt und kann mit dem Skalar x(t) und t beschrieben werden. Bei dem Versuch mit der Luftkissenbahn wird auf einer Schiene ein Wagen angeschoben. Bei einer festen Geschwindigkeit wird der Wagen losgelassen: Da der Wagen auf einer Schiene geführt wird, ändert er seine Richtung nicht. Die Reibung kann vernachlässigt werden; die Geschwindigkeit ist folglich nach Richtung und Betrag konstant. In gleichen Abständen montierte Lichtschranken messen nun die Zeit, die der Wagen benötigt, um die Strecke D x zurückzulegen.Die Messung ergibt immer gleiche Zeitspannen. Das bestätigt die folgende Rechnung:
Randbedingung:
Aus
![]()
Das gilt für die Strecke xi - x0 zwischen zwei beliebigen Schranken. Also gilt für alle t:
Merke: Das Weg-Zeit-Gesetz für die 1-dimensionale gradlinige Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit v lautet: x = x0 + ( t - t0 ) · v |
Verallgemeinerung für dreidimensionale Bewegungen mit konstanter Geschwindigkeit:
Die Geschwindigkeit bleibt auch hier in Richtung und Betrag gleich, wird aber als Vektorund
Aus
folgt dann
y = y0 + (t - t0) · vy
z = z0 + (t - t0) · vz
Merke: Das Weg-Zeit-Gesetz für die 3-dimensionale Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit |
Die eindimensionale Bewegung ist ein Sonderfall der dreidimensionalen Bewegung mit
und
= (x, 0,0).
Versuch II.2: Freier Fall
Empirisch läßt sich bestätigen, daß auf der Erde alle Körper dieselbe Beschleunigung in Richtung der Erde erfahren, die Beschleunigung durch die Schwerkraft. Sie wird üblicherweise mit g bezeichnet und kann als Skalar beschreiben werden, da sie nur in Richtung der Erdoberfläche, also in y-Richtung wirkt. Als Vektor dargestellt gilt:mit v(t) = a (t - t0) + v0
Û x(t) =Merke: Bei der gradlinigen Bewegung mit konstanter Beschleunigung gilt:
x(t) = v(t) = a (t - t0)+ v0 und a(t) = constant |
Diese Gleichung hängt nur von der Konstanten g und der Strecke ab. Der Versuch bestätigt: Die Fallzeit der Kugeln ist unabhängig von Größe, Masse und Material. Sie hängt nur von der Strecke ab.
Dieses Ergebnis ist keinesfalls selbst-verständlich: Vor allem Kinder vermuten, daß schwere Körper schneller fallen müßten als leichte. Bis zu den Entdeckungen Galileis Ende des 16. Jh. galt die Vorstellung Aristoteles ( 384 - 322 v. Chr.) als richtig, schwere Körper würden schneller fallen als leichte.
Die nebenstehende Abbildung zeigt eine stroboskopische Aufnahme zweier Kugeln unterschiedlicher Masse und Größe, die zur selben Zeit auf gleicher Höhe losgelassen wurden.
Merke: Alle Körper fallen mit derselben Beschleunigung g = 9,81 m/s unabhängig von Masse, Größe oder Material. |
Verallgemeinerung für dreidimensionale Bewegungen mit konstanter Beschleunigung
Analog kann bei einer dreidimensionalen Bewegung das Weg-Zeit-Gesetz aus einer gegebenen Beschleunigung und den Randbedingungen errechnet werden. Wie bei der Rechnung für die Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit gezeigt, können die Komponenten der VektorenIn Vektorschreibweise gilt somit:
In Komponentenschreibweise werden die einzelnen Komponenten ai , vi , xi und von den Randbedingungen v0i und x0, y0 bzw. z0 betrachtet.
Notation II.11: xi bezeichnet die i-te Komponente von |
Versuch II.3: Schiefe Ebene

Ein weiterer Versuch zur gradlinigen, eindimensionalen Bewegung mit konstanter Beschleunigung ist die schiefe Ebene. Bei diesem Versuch wird ein Wagen auf der um den Winkel a geneigten Luftkissenbahn bei einer festen Höhe losgelassen und durch die Gravitation beschleunigt.
Diesmal können wir, nachdem wir schon berechnet haben, daß das Weg-Zeit-Gesetz quadratisch mit der Zeit verlaufen wird, die Lichtschranken entsprechen in den Abständen 1Längeneinheit (1LE), 4LE, 9LE usw. aufstellen. Jetzt müßten die Zeiten zum Durchlauf der einzelnen Wegstrecken je 1 Zeiteinheit (1 ZE) betragen, die Zeiten gemessen vom Loslaufen bei t = 0 entsprechen t1 = 1ZE, t2= 2ZE, t3 = 3ZE, usw. Bestätigt sich diese Theorie, so ist demonstriert, daß
ax ist die Komponenten des Beschleunigungsvektors in x-Richtung und kann bereits abgelesen werden:Versuch II.4: Der horizontale Wurf
Der horizontale Wurf ist eine Überlagerung zweier Bewegungen in der Ebene: 1. Der Körper wird von der Erde beschleunigt und führt somit einen Freien Fall aus in Richtung der Erde. 2. Der Körper wird mit einer festen Geschwindigkeit horizontal zur Erde losgeworfen und führt eine Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit in dieser Richtung aus. Beschleunigung und Geschwindigkeit sind also gegeben durch|
|
x-Komponente |
y-Komponente |
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0 |
- g |
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= |
v0 |
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= |
v0 |
- |
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|
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= |
v0 t |
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|
= |
v0 t |
|
Der Ortsvektor zur Zeit t lautet also:
(t) = (v0 t,
, 0).
Durch Eleminierenen von t aus den x- und y- Komponenten kann eine Funktion der
x-Komponente in Abhängigkeit von der y-Komponente aufgestellt werden:
aus x = v0 t und y =
folgt y(x) = ![]()
Diese Funktion gibt die Bahnkurve des horizontalen Wurfs an, sie beschreibt die Wurfparabel.
Um die Unabhängigkeit der Bewegung in die verschiedenen senkrecht zueinander stehenden Richtungen zu demonstrieren, kann man eine Kugel im Freien Fall und eine Kugel im horizontalen Wurf beobachten, die beide zur selben Zeit am selben Ort ihre Bewegung beginnen. Eine stroboskopische Aufnahme zeigt die Bewegung der Kugeln.
In der Vorlesung wurde eine andere Variante des Versuchs gezeigt: Man läßt die Kugeln zur selben Zeit auf derselben Höhe, also y-Komponente, ihre Bewegung starten, verschiebt die Kugel für den freien Fall jedoch einige Zentimeter in Wurfrichtung der zweiten Kugel. Auf diese Weise müssen die Kugeln sich treffen. Unser Demonstrationsversuch bestätigte die Annahme für Kugeln unterschiedlicher Materialien und Größen.