Wie angekündigt wollen wir zum Schluß des Kapitels noch ein Phänomen betrachten, daß kein Transportphänomen in dem oben bezeichneten Sinn ist. In Abschnitt XIII.3 haben wir festgestellt, daß die Wärmeleitfähigkeit proportional zur Teilchendichte ist. Das bedeutet, daß Vakuum nicht leitet. Vor dem Hintergrund dieser Überlegung müssen wir uns frage, warum dann unser Kaffee in der Thermoskanne, die einen Vakuummantel enthält, trotzdem abkühlt. Offensichtlich muß es noch ein anderes Phänomen geben, daß Wärmeenergie transportiert.
Dieses Phänomen ist die Wärmestrahlung: Auch im Vakuum wird Wärme durch elektromagnetische Strahlung transportiert. Für einen schwarzen Körper gilt dabei das von Stefan und
Boltzmann aufgestellte Gesetz:
Stefan-Boltzmann-Gesetz
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s bezeichnet hier nicht den Wirkungsquerschnitt sondern eine Konstante:
Genaue Messungen um die Jahrhundertwende führten zu der Entwicklung der Quantenmechanik. Ein Stichwort hier ist die Hohlraumstrahlung von Planck. Genaueres wird in Experimentalphysik III besprochen.
An dieser Stelle sei nur der Zusammenhang zwischen der Wellenlänge der Strahlung und der Temperatur T angegeben:
Wiensches Gesetz:
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Nun betrachten wir noch zwei Versuche zur Wärmestrahlung:
Versuch XIII.2: Wunderkerzenanzünder
Bei diesem Versuch wird die Wärmestrahlung einer Heizsonne mittels eines Hohlspiegels fokussiert. In den Brennpunkt der Strahlung stellt man eine Wunderkerze. Die Wärme der Strahlung reicht aus, um die Wunderkerze zu entzünden.
Versuch XIII.3: Radiometer oder Lichtmühle
Diese Drehung wird nicht durch den Strahlungsdruck erzeugt. Wie bekannt ist, heißt sich eine schwarze Fläche durch die Wärmestrahlung stärker auf als eine helle. Somit werden die auf der schwarzen Fläche auftreffenden Moleküle stärker reflektiert als die auf einer hellen auftreffenden. Deshalb ist der Betrag der Impulsänderung der auf die schwarze Seite treffenden Moleküle größer. Es entsteht ein unterschiedlicher Kraftstoß, der einen Druckunterschied erzeugt. Die Flügel drehen sich so, daß die schwarze Seite sich von der Lichtquelle weg dreht.
Abschließend befassen wir uns noch einmal mit einer historischen Anwendung der Wärmestrahlung:
Die Solarkonstante beträgt
Wenn Archimedes 100 Spiel mit je 1 m2 Fläche auf ein Schiff fokussierte, so schaffte er einen Energiefluß auf die Schiffswand von
Der Temperaturgradient in der Schiffswand beträgt dann
mit einer Wellenlänge
und der Fläche von A = 1 m2 folgt
für eine Oberflächentemperatur von 500°C, also
und ![]()
Schätzt man die Eindringtiefe der Strahlung auf 1 mm, so ergibt sich aus
und dem Wert
eine Temperaturdifferenz von
In einer Zeit von 10 Sekunden kann damit eine Temperaturdifferenz von 2000 K erreicht werden: Genug um ein Schiff in Brand zu setzten.
Selbst wenn die Geschichte stimmt, was sie nachgewiesener Maßen könnte, genützt hat der Trick Archimedes nichts: Der Mathematiker starb 212 v. Chr., als er bei der Einnahme von Syrakus von einem römischen Soldaten erschlagen wurde.