XIV.6 Kreisprozesse und Wärmekraftmaschinen




XIV.6.1 Carnot-Prozeß

XIV.6.1.1 Prinzip des Carnot-Prozesses

XIV.6.1.2 Berechnung des Carnot-Prozesses für n Mole eines idealen Gases

XIV.6.1.3 Wirkungsgrad des Carnot-Prozesses

XIV.6.2 Kraftwärmemaschinen und Wärmekraftmaschinen

XIV.6.2.1 Wärmepumpe

XIV.6.2.2 Kühlschrank

XIV.6.3 Perpetuum mobile II. Art

XIV.6.4 Demonstration eines Heißluftmotor

XIV.6.4.1 Prinzip des Stirling-Prozesses

XIV.6.4.2 Berechnung des Stirling-Prozesses für n Mole eines idealen Gases



Bei den bisherigen Betrachtungen von Kreisprozessen in Kapitel XIV.5 stellten wir uns die Frage der Umwandlung von Wärme in mechanische Arbeit und umgekehrt. Dazu wurden am Anfang des Kapitels zwei neue Begriffe eingeführt:

Reversibele oder umkehrbare Prozesse nannten wir jene Prozesse, bei denen die vorgenommene Zustandsänderung zurückgenommen werden kann, ohne daß eine Veränderung bleibt. Reversible Prozesse sind idealisiert.

Irreversibele Prozesse nannten wir alle realen Prozesse. Die Umwandlung erfolgt nicht umkehrbar, z.B. die Expansion eines Gases in Vakuum oder Wärmeaustausch zwischen zwei Körpern.

In diesem Kapitel wollen wir die Umkehrung des Prozesses von Joule (mechanisches Wärmeäquivalent) betrachten. Wir fragen uns also, wie Wärme in mechanische Arbeit umgewandelt werden kann. Der Idealfall wäre ein Prozess, der reversibel verläuft, bei dem folglich Wärme in Arbeit umgewandelt wird ohne Verlust.

Aber wie am besten ?

Was wäre eine ideale Maschine zur Umwandlung von Wärme in Arbeit ohne Verlust ?

Wie wäre ihr Wirkungsgrad ?


XIV.6.1 Carnot-Prozeß

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S. Carnot (1796 - 1832), ein Offizier und Lehrer an der Ecole Polytechnique, entwickelte einen Prozeß, mit dessen Hilfe Arbeit gewonnen werden kann. Der nach ihm benannte Carnot-Prozeß ist ein idealisierter reversibler Prozeß. Es wird sich später zeigen, daß dieser und andere reversible Prozesse den maximal möglichen Wirkungsgrad einer periodischen Maschine haben.


XIV.6.1.1 Prinzip des Carnot-Prozesses

Wir betrachten einen Carnotprozeß, bei dem ein ideales Gas durch zwei adiabatische und zwei isotherme Arbeitstakte zunächst expandiert und dann kompremiert wird:

Zunächst befinde das Gas sich in einem Zustand mit dem Volumen V1 und der Temperatur TA.


1. In einem Wärmebad wird das Gas durch isotherme Expansion vom Volumen V1 auf ein Volumen V2 vergrößert.

2. Im zweiten Schritt wird das Gas isoliert und adiabatisch auf ein Volumen V3 vergrößert. Dadurch sinkt die Temperatur des Gases auf TB.

3. Anschließend wird das Gas in einem Wärmebad der Temperatur TB kompremiert auf ein Volumen V4.

4. Um wieder zum Anfangszustand zurück zu gelangen, wird im vierten Schritt das Gas wärmeisoliert und dann adiabatisch auf das Anfangsvolumen V1 verkleinert. Dabei steigt die Temperatur wieder auf TA an.

Das Arbeitsdiagramm zeigt die Änderung der Zustandsgrößen der Arbeitssubstanz. Meist ist es ein Druck-Volumen-Diagramm. Die Abbildung zeigt das Temperatur-Volumen-Diagamm des vorgestellten Carnot-Prozesses. Beim Kreisprozeß sind es geschlossene Kurven, d.h. der Endzustand des einen Zyklus ist der Anfangszustand des nächsten Zyklus'. Hierbei ist die Nettoarbeit beim Kreisprozeß

Wird das Arbeitsdiagramm im Uhrzeigersinn durchlaufen, so gibt der Wandler Arbeit ab (W < 0), wird es umgekehrt durchlaufen, so nimmt der Wandler Arbeit auf (W > 0).

Für die vier Schritte des Kreisprozesses gilt:

1. isotherme Expansion bei

TA D Q = QA

2. adiabatische Expansion

TA ® TB D Q = 0

3. isotherme Kompression bei

TB D Q = QB

4. adiabatische Kompression

TB ® TA D Q = 0

Um die Schreibweise bei der nun folgenden Berechnung des Carnot-Kreisprozesses abzukürzen, schrewiben wir D U (1 ® 2) = U12, usw., und D W (1 ® 2) = W12, usw.



XIV.6.1.2 Berechnung des Carnot-Prozesses für n Mole eines idealen Gases

Für die Berechnung des Carnot-Prozesses betrachten wir die vier Schritte einzeln. Dabei wird für jeden Schritt die gewonnene oder geleistete Arbeit und die Änderung der inneren Energie berechnet.

1. isotherme Expansion bei

T = TA

und

D Q = QA.

Nach dem 1. Hauptsatz gilt

U12 = QA + W12.

Mit

U = U (T)

folgt aus T = const

U12 = 0. ¬

Dann gilt

QA = - W12

Die Arbeit wird berechnet als

Û

Û

Damit gilt

QA = n R TA ln > 0 ¬ '


2. adiabatische Expansion mit

d Q = 0

und

TA ® TB.

Nach dem 1. Hauptsatz gilt

U23 = d Q + W23.

Mit d Q = 0 gilt

U23 = W23 ­

Nach Kapitel XIV.5 folgt

U23 = n CV (TB - TA) ­ '

Û

Û Ê


3. isotherme Kompression bei

TB

und

D Q = QB.

Nach dem 1. Hauptsatz gilt

U34 = QB + W34.

Mit

U = U (T)

folgt aus T = const

U34 = 0. ®

Dann gilt

QB = - W34

Die Arbeit wird berechnet als

Û

Û

QB = n R TB ln < 0 ® '


4. adiabatische Kompression:

d Q = 0

und

TB ® TA

Nach dem 1. Hauptsatz gilt

U41 = d Q + W41.

Mit d Q = 0 gilt

U41 = W41 ¯

Nach Kapitel XIV.5 folgt

U41 = n CV (TA - TB) ¯ '

Û

Û Ë

Aus 2. und 4. folgt mit Ê und Ë

Þ

Die Energiebilanz des Kreisprozesses ergibt sich aus dem 1. Hauptsatz:

Aus

folgt

U12 + U23 + U34 + U41 = 0

Mit

U12 = 0. ¬

U23 = W23 ­

U34 = 0. ®

und

U41 = W41 ¯

folgt daraus

U23 + U41 = W23 + W41 = 0


Die Arbeitsbilanz gibt an, wieviel Arbeit gewonnen wurde. Die Gesamtarbeit entspricht dabei der Summe der in den einzelnen Schritten berechneten Arbeit.

Aus

W = W12 + W23 + W34 + W41

folgt mit

-W12 = n R TA ln > 0 ¬ '

W23 = n CV (TB - TA) ­ '

-W34 = n R TB ln < 0 ® '

W41 = n CV (TA - TB) ¯ '

und W23 = - W41

Þ W = - n R TA ln - n R TB ln

Aus folgt

ln = ln = - ln .

Damit ergibt sich

W = - n R ln (TA - TB) Ì

Die Arbeit W ist negativ, d.h. sie wird abgegeben, falls TA > TB ist.



XIV.6.1.3 Wirkungsgrad des Carnot-Prozesses

Als Wirkungsgrad einer Maschine wird das Verhältnis von nutzbarer Energie oder Arbeit und der zu deren Gewinnung aufgewandten Energie oder Arbeit definiert. Nach dem 1. Hauptsatz ist der Wirkungsgrad einer solchen Maschine maximal 100 %. In der Realität kann dieser Wert jedoch nicht erreicht werden. Im nächsten Kapitel werden wir einen Satz formulieren, der diese Tatsache beschreibt.


Definition XIV.6: Der Wirkungsgrad h ist definiert als nutzbare Energie oder Arbeit pro aufgewandte Energie oder Arbeit.

In unserem Beispiel des Carnot-Prozesses wurde die Arbeit dadurch gewonnen, daß einem Wärmebad Wärme entzogen wurde. Der Wirkungsgrad ist also das Verhältnis von zugeführter Wärme und nutzbarer Arbeit

h = geleistete Arbeit geteilt durch die zugeführte Wärme

also

= h

Die Arbeit wird hier negativ angesetzt, da die errechnete Arbeit negativ ist und letztendlich der Betrag der geleisteten Arbeit entscheidend ist.

Für den von uns berechneten Carnot-Prozess folgt:

Aus Gleichung ¬ '

QA = n R TA ln

und Gleichung Ì

W = - n R ln (TA - TB)

folgt:

Û

Dies ist der Wirkungsgrad des Carnot Prozesses. Für TB ¹ 0 ist h immer kleiner als eins, d.h. der Wirkungsgrad liegt unter 100%. Er ist jedoch um so höher, je größer TA - TB ist. Für eine unendlich große Temperatur TA, also für strebt der Wirkungsgrad gegen eins. So ist beispielsweise der Wirkungsgrad eines Dieselmotors ist deshalb höher als der eines Benzinmotors, weil die Temperaturdifferenz TA - TB größer ist.

Daß der Carnot-Prozeß so wichtig ist liegt daran, daß alle reversiblen Kreisprozesse den gleichen Wirkungsgrad haben wie der Carnot-Prozeß. Der Beweis dieser Aussage kann Kapitel VIV.6.3 und Kapitel XIV.8.2 entnommen werden.

Alle irreversiblen Kreisprozesse haben einen kleineren Wirkungsgrad.

Da alle irreversiblen Kreisprozesse einen kleineren Wirkungsgrad haben als reversible und alle reversiblen Kreisprozesse denselben Wirkungsgrad, den des Carnot-Prozesses haben, gibt uns die Formel den maximalen Wirkungsgrad einer periodischen Maschine an.


Merke: Der maximale Wirkungsgrad einer periodisch arbeitenden Maschine ist gegeben durch den Wirkungsgrad des Carnot-Prozesses: .

Aufgrund dieser Tatsache gibt die Formel auch die oberste Grenze des Wirkungsgrades für andere periodische Maschinen oder Kreisprozesse an. Daß die realen Maschinen einen geringeren Wirkungsgrad haben liegt an den Reibungs- und Wärmeverlusten. Hierzu betrachten wir ein Beispiel:

Eine Dampfmaschine hat im Kessel eine Temperatur von etwa T1 = 800 K. Die Kühlwassertemperatur ist etwa T2 = 300 K. Dann liegt die theoretische Obergrenze des Wirkungsgrades einer solchen Maschine bei

Û

Û


Tatsächlich werden jedoch nur Werte um 30 % erreicht wegen der großen Reibungs- und Wärmeleitungsverluste sowie nicht reversibler (quasistatischer) Prozeßführung.

Die Obergrenze für den Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors liegt bei etwa 70 %. Realisiert werden hier Wirkungsgrade von etwa 40 %. Hierbei sind die Reibungsverluste durch den Luftwiderstand und die Rollreibung des angetriebenen Fahrzeugs noch nicht berücksichtigt.




XIV.6.2 Kraftwärmemaschinen und Wärmekraftmaschinen

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Jede Carnot-Maschine hat wie jede reversible Maschine zwei mögliche Laufrichtungen: In der Berechneten entnimmt sie einem Speicher der Temperatur T2 Wärmeenergie, erzeugt Arbeit und führt einem anderen Speicher bei T1 die Differnzwärme zu. In der umgekehrten Laufrichtung muß man die Arbeit W aufwenden, um dem Speicher 2 mehr Wärme zuzuführen, als dem ersten Speicher entnommen wurde.

Die Entscheidung, welcher Maschinentyp vorliegt, hängt also davon ab, wie der Kreisprozeß durchlaufen wird:

Man spricht von einer Wärmekraftmaschine, wenn Wärmeenergie in mechanische Energie umgewandelt wird; der Kreisprozeß wird im Uhrzeigersinn durchlaufen. Dies ist der oben beschriebene Carnot-Prozeß. Angewandt wird dieser Prozess z.B. in Verbrennungsmaschinen und Gasturbinen.


Merke: Eine Wärmekraftmaschine ist ein Maschine, bei der Wärmeenergie in mechanische Energie umgewandelt wird.

Kraftwärmemaschinen wandeln umgekehrt mechanische Energie in Wärmeenergie um; sie durchlaufen den Carnot-Prozeß entgegen dem Uhrzeigersinn. Hierbei kann die Maschine heizen oder kühlen und man spricht dann von einer Wärmepumpe bzw. von einem Kühlschrank.


Merke: Eine Kraftwärmemaschine ist ein Maschine, bei der mechanische Energie in Wärmeenergie umgewandelt wird.

Es sei noch einmal erwähnt, daß diese beiden Maschinentypen sich lediglich in ihrer Arbeitsrichtung unterscheiden, wie die folgende Abbildung zeigt.



XIV.6.2.1 Wärmepumpe

Bei der Wärmepumpe ist die Wärmequelle die Umgebung, z.B. Grundwasser oder Erdreich, der die Wärme bei tiefer Temperatur entzogen und dem System, z.B. einer Warmwasserheizung, zugeführt wird. Man transportiert Wärme von TA nach TB .

Der Nutzen bei der Wärmepumpe liegt somit in der bei hoher Temperatur abgegebenen Wärme QB , d.h. die nutzbare Energie ist 1/2 QB1/2 = QA + W. Der Arbeitsaufwand ist W.

Im Gegensatz zum Wirkungsgrad beim rechtsläufigen Carnot-Prozeß spricht man beim Verhältnis von Nutzen zu Aufwand beim linksläufigen Prozeß von der Leistungszahl e , sie ist im Grunde genauso definiert wie h :


Definition XIV.7: Die Leistungszahl e einer Wärmekraftmaschine ist definiert als nutzbare Energie pro aufgewandte Energie.

Bei der Wärmepumpe versteht man unter der aufgewandten Energie den Arbeitsaufwand W, nicht die Wärme QA. Die Wärme QA erhält man gratis (?!) aus dem Reservoir bei TA. Die nutzbare Energie ist

1/2 QB1/2 = QA + W

mit der Arbeit

W = QA + QB

folgt aus Definition XIV.5 für die Leistungszahl einer Wärmekraftmaschine

Û

Die Leistungszahl der Wärmepumpe nach Carnot ist immer größer als eins, und zwar um so größer, je schlechter der Wirkungsgrad eines rechtsläufigen Carnot-Prozesses zwischen denselben Temperaturgrenzen ist, d.h. je kleiner die Temperaturdifferenz TB - TA ist. Dies bedeutet, daß man mit wenig Aufwand viel Wärme verschieben kann, wenn man ein ausreichendes Wärmereservoir bei TA zur Verfügung hat. Dieses Modell beschreibt eine günstige Heizung. Die gewonnene Wärme ist größer als die benötigte Arbeit. Dies ist jedoch keine Verletzung des Energiesatzes, denn man pumpt nur die Wärme von TA nach TB. Man muß sie nicht erzeugen.


Als Beispiel betrachten wir das Freibad Hangeweiher:

Die Temperatur T1 ist gleich 295 K; T2 ist 285 K. Dann ist die Leistungszahl e = 30.

Eine Wärmepumpe sollte daher mit einer Fußbodenheizung (T1 = 30 - 35 0 C) kombiniert werden.



XIV.6.2.2 Kühlschrank

Beim Kühlschrank ist die Wärmequelle der zu kühlende Raum. Ihm wird bei der Temperatur TA, die niedriger ist als die Umgebungstemperatur TB, die Wärme QA entzogen und dem System zugeführt. Hier ist die Leistungszahl e gegeben durch

Û

Auch hier gilt wie bei der Wärmepumpe, daß die Kühlung um so besser ist, je kleiner die Temperaturdifferenz TB - TA ist.




XIV.6.3 Perpetuum mobile II. Art

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Wie oben bereits behauptet wurde, ist der Wirkungsgrad eines Carnot-Prozesses der bestmögliche Wirkungsgrad einer periodisch arbeitenden Maschine. Dies läßt sich anhand der bereits bekannten Abbildung leicht durch einen Widerspruchsbeweis zeigen:

Zwei Carnotmaschinen werden so hintereinander geschaltet, daß eine Wärmekraftmaschine und eine Wärmepumpe kombiniert sind. Dann gilt für den Wirkungsgrad der Wärmekraftmaschine

h Carnot =

Für die Leistungszahl der Wärmepumpe gilt

e Carnot = .

Der Vergleich zeigt, daß gilt

e Carnot

Wenn es nun ein Wirkungsgrad größer als der Wirkungsgrad vom Carnot-Prozess gibt, d.h. angenommen es existiere ein h mit h > h Carnot

Dann gilt mit

Þ

Þ

Die von der Wärmekraftmaschine erzeugte Arbeit W müßte also größer sein als die von der Wärmepumpe verbrauchte Arbeit Wcarnot. Damit würde eine Netto-Arbeitsleistung möglich. Die Energie dafür müßte nach dem I. Hauptsatz aus dem Wärmereservoir mit T1 kommen.

Im Ergebnis wäre also diese Hintereinanderschaltung eine periodisch arbeitende Maschine die Arbeit leistet und die notwendige Energie dafür vollständig aus einem Wärmereservoir bezieht, ohne daß sich sonst etwas ändert. Eine solche Maschine nennt man ein Perpetuum mobile 2. Art. Die Erfahrung zeigt:


Merke: Es gibt kein Perpetuum mobile 2. Art.

Als Perpetuum mobile 2. Art wird eine periodisch arbeitende Maschine bezeichnet, die nichts weiter bewirkt als Arbeitsleistung und Abkühlung eines Wärmereservoirs.


Merke: Ein Perpetuum mobile 2. Art ist eine periodisch arbeitende Maschine, die nichts weiter bewirkt als Arbeitsleistung und Abkühlung eines Wärmereservoirs.

Es gibt kein Perpetuum mobile 2. Art.

Eine mögliche Anwendung eines Perpetuum mobile 2. Art wäre ein Ozeandampfer, der seine Antriebsenergie aus der gespeicherten Wärmeenergie des Ozeans entnimmt und dabei lediglich das Wasser abkühlt.




XIV.6.4 Demonstration eines Heißluftmotor

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Ein Heißluftmotor arbeitet nach einem Prozess, der nach seinem Erfinder R. Stirling (1790 -1878) Stirling-Prozeß genannt wird.



XIV.6.4.1 Prinzip des Stirling-Prozesses

Das Arbeitsmedium bei diesem Prozess ist ein ideales Gas. Der Stirling-Prozess kombiniert isotherme und isochore Prozesse:


T = const. Isotherme Þ dU = 0


V = const. Isochore Þ d W = 0


In der Realität treten keine reinen Isothermen und Isochoren auf. Deshalb wird das pV-Diagramm abgerundet.

Beim Stirling-Prozess werden die folgenden vier Schritte durchlaufen:

    1. Durch eine isotherme Kompression wird bei konstanter Temperatur T2 dem Gas Arbeit zugeführt. Ein Arbeitskolben drückt das Gas von V2 zu V1 zusammen.

    2. Bei konstantem Volumen V1 wird das Gas erwärmt auf eine Temperatur T1.

    3. In diesem Schritt wird das Gas wieder auf das größere Volumen V2 erweitert, die Temperatur wird konstant auf T1 gehalten.

    4. Der Kreislauf schließt sich, indem das Gas nun bei gleichbleibendem Volumen V2 auf die Temperatur T2 abgekühlt wird.

    Die Wärmezufuhr erfolgt bei der isochoren Erwärmung und bei der isothermen Expansion. Die bei der isochoren Abkühlung abgegebene Wärme ist betragsmäßig genauso groß wie die bei der isochoren Erwärmung zugeführte Wärme: Q23 = - Q41. Gelingt es, die abgegebene Wärme Q41 zwischenzuspeichern und bei der isochoren Erwärmung wieder an das System zurückzuführen, dann muß von außen her nur noch die Wärme Q34 zugeführt werden, und der Wirkungsgrad erreicht den Wert des Carnot-Prozesses.

    Der Stirling-Prozeß kann wie in der Abbildung gezeigt näherungsweise so realisiert werden, daß der Verdrängerkolben und der Arbeitskolben, um 900 phasenverschoben, auf der Kurbelwelle arbeiten. Der Verdrängerkolben schiebt die Luft im Zylinder des Motors hin und her. Dabei bringt er die Luft abwechseln mit dem heißen und kalten Teil der Maschine in Kontakt. Der Verdränger ist wegen des Regenerators, der aus Metallspänen besteht, gleichzeitig Wärmespeicher, d.h. daß der Regenerator beim Druchströmen der heißen Luft Wärme aufnimmt und diese nachher wieder an die durchströmende kalte Luft abgibt.

    Bei dem im Demonstrationsversuch verwendeten Demonstrationsmodell des Heißluftmotors, dient eine Glühwendel, die oben im Deckel eingebaut ist, als Wärmequelle. Der doppelwandige Zylinder im unteren Teil des Motors dient als Wärmesenke, indem Kühlwasser durch ihn hindurchfließt. Der Wirkungsgrad des Heißluftmotors kann bislang nicht mit dem von Verbrennungsmotoren konkurrieren, weil die interne Wärmeübertragung (Q41 ® Q23) nur unvollkommen gelingt. Der linksläufige Stirling-Prozess hat seine Anwendung z.B. bei der Philips-Gaskältemaschine gefunden. Hier dient als Arbeitsmedium Helium oder Wasserstoff bei der Luftverflüssigung.

    Die Realisation der einzelnen Phasen kann wie folgt zusammengefaßt werden:


    1. isotherme Kompression:

    Der größere Teil des Arbeitsgases wird gekühlt

    ® der Arbeitskolben drückt das Gas zusammen.


    2. isochore Erwärmung:

    Die Luft wird im oberen Zylinderteil erwärmt

    ® der Arbeitskolben ist am oberen Totpunkt

    ® das Gestänge treibt den Verdränger in den Kühlraum


    3. isotherme Expansion:

    Im Prinzip wie 2., aber ein Teil des Arbeitsgases wird jetzt gekühlt

    ® der Arbeitskolben wird nach außen getrieben

    ® das Gestänge treibt den Verdränger in den Heizraum


    4. isochore Abkühlung:

    Der größere Teil des Arbeitsgases wird gekühlt

    ® der Arbeitskolben drückt das Gas zusammen

    ® eine Kurbelwelle hilft, den toten Punkt zu überwinden.



    XIV.6.4.2 Berechnung des Stirling-Prozesses für n Mole eines idealen Gases

    Um die Schreibweise bei der nun folgenden Berechnung des Stirling-Kreisprozesses abzukürzen, schreiben wir wie bereits beim Carnot-Prozess eingeführt D U (1 ® 2) = U12, usw., und D W (1 ® 2) = W12, usw. und D Q (1 ® 2) = Q12

    1. isotherme Kompression bei

    T = T2

    Nach dem 1. Hauptsatz gilt

    U12 = Q12 + W12.

    Mit

    U = U (T

    folgt aus T = const

    U12 = 0.

    Dann gilt

    Q12 = - W12

    Die Arbeit wird berechnet als

    Û

    Û

    Û > 0 ¬

    Zufuhr der Arbeit

    Für isotherme Zustandsänderungen dann

    Q12 = - n R T2 ln < 0 ¬ '

    äquivalente Wärmeabgabe


    2. isochore Erwärmung bei

    V = V1

    Aus

    folgt dann

    W23 = 0 ­

    Aus dem 1. Hauptsatz

    U23 = Q23 + W23

    folgt damit

    U23 = Q23

    Nach Kapitel XIV.3 gilt dann

    Q23 = n CV (T1 - T2) ­ '

    Zufuhr der Wärme


    3. isotherme Expansion bei T = T1

    Nach dem 1. Hauptsatz gilt

    U34 = Q34 + W34.

    Mit

    U = U (T)

    folgt aus T = const

    U34 = 0.

    Dann gilt

    Q34 = - W34

    Die Arbeit wird berechnet als

    Û

    Û

    Û < 0 ®

    Abgabe von Arbeit

    Für isotherme Zustandsänderungen dann

    Q34 = n R T1 ln > 0 ® '

    äquivalente Wärmeaufnahme


    4. isochore Abkühlung bei

    V = V2

    Aus

    folgt dann

    W41 = 0 ¯

    Aus dem 1. Hauptsatz

    U41 = Q41 + W41

    folgt damit

    U41 = Q41

    Nach Kapitel XIV.3 gilt dann

    Q41 = n CV (T2 - T1) ¯ '

    Abgabe der Wärmemenge


    Die Arbeitsbilanz errechnet sich dann als

    W = W12 +W23 +W34 +W41.

    Mit

    > 0 ¬

    W23 = 0 ­

    < 0 ®

    und

    W41 = 0 ¯

    folgt

    W = W12 + W34

    Û W = - n R ln (T1 - T2) < 0

    Arbeit wird also nach außen abgegeben.

    Die zugeführte Wärme kann in Schritt 3. direkt abgelesen werden:

    Q34 = n R ln T1 ® '

    Dann berechnet sich der Wirkungsgrad der Stirling-Prozesses als


    In der Realität tritt kein isochorer Prozeß auf. Das Volumen des Heißluftmotors ändert sich aber am Umkehrpunkt des Kolbens so langsam, daß angenähert V = const ist.

    Die abgegebene Leistung des Modellmotors beträgt 12 W, die Heizleistung 250 W. Die vom Kühlwasser auf der Isochore (V2) entzogene Wärme geht verloren.

    Drei Betriebsarten sind mit diesem Modell möglich:

    a) Heizung bei T1 und Kühlung bei T2. Dann leistet der Motor Arbeit.

    b) Antrieb durch Elektromotor linksläufig.

    c) Antrieb durch Elektromotor rechtsläufig.

    Der Antrieb durch einen Elektromotor wird wie folgt genutzt:

    Wird die Temperatur durch das fließende Wasser im Kühlmantel festgehalten, so wird der ungekühlte Teil des Zylinders je nach Drehsinn erwärmt oder gekühlt. Entscheidend für die Verwendung als Wärmepumpe oder Kühlschrank ist nur der Drehsinn des Motors.