IX.3 Laminare Strömungen realer Flüssigkeiten
IX.3.1 Das Newtonsche Reibungsgesetz
IX.3.2 Anwendung des Reibungsgesetzes: Strömung durch ein Rohr
Versuch IX.5: Stokes'sche Reibung
Die Platte bewegt sich (nach kurzer Anfangsphase) mit konstanter Geschwindigkeit Merke: Die Reibung innere Reibung einer Flüssigkeit wird angegeben durch das Newtonsche Reibungsgesetz: FR = h A |
Notation IX.1: Der Kehrwert der Viskosität h wird Fluidität genannt. |
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h (t) von Wasser in m Pa s |
h (t) von Glyzerin in m Pa s |
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t = 0° |
1.79 |
12100 |
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t = 20° |
1.002 |
1480 |
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t = 100° |
0.282 |
14.8 |
Das Newtonsche Reibungsgesetz kann genutzt werden, um die Strömungsgeschwindigkeite einer Flüssigkeit, z.B. durch ein Rohr zu berechnen. Diese Berechnung wurde von zwei Wissenschaftlern, Hagen, einem Ingenieur, und Poiseuille, einem Arzt, im Jahr 1840 durchgeführt.
Für die Berechnung betrachten wir ein Rohr mit dem Radius R. Das Rohr habe die Länge l .
Zwischen den beiden Enden des Rohres herrsche eine Druckdifferenz p2 - p1. Diese Druckdifferenz ist die Ursache für eine Strömung durch das Rohr, sie erzeugt eine Kraft FP.
Aus
Es folgt
Die Geschwindigkeitsverteilung ist noch unbekannt. Um zu berechnen, wie sich die Strömungsgeschwindigkeit mit der Entfernung vom Rohrmantel verändert, müssen wir diese Formel nach v auflösen. Dazu berechnen wir die Differentialgleichung für v(r)
Mit den Randbedingungen vR = 0, denn die äußersten
Flüssigkeitsmoleküle haften am Rohr, ergibt sich daraus
Diese Gleichung gibt die Geschwindigkeitsverteilung in Abhängigkeit
vom Abstand zum Rohr an.
Dieses Gesetz stellt eine parabolische Geschwindigkeitsverteilung vr(r) mit
Wie groß ist nun der Gesamtstrom durch das Rohr ? Um diese Frage zu beantworten, berechnet man die Flüssigkeitsmenge dV, die in einer vorgegebenen Zeit t durch den Rohrquerschnitt zwischen r und r + dr fließt:
Mit
folgt
Dann fließt durch das ganze Rohr
Ausrechnen des Integrals und dividieren durch ergibt
Dieses Gesetz gibt die Stromstärke im Rohr mit R an und ist nach den Wissenschaftlern benannt, die es zuerst aufstellten.
Die mittlere Strömungsgeschwindigkeit
ergibt sich aus der Definition
Definition IX.1: Die mittlere Strömungsgeschwindigkeit |
Mit dieser Definition berechnet sich die mittlere Strömungsgeschwindigkeit als
Einsetzen von I führt zu
Der Druckabfall läßt sich berechnen aus
Dieser Reibungswiderstand ist für das lineare Druckgefälle in einem Rohr verantwortlich, welches wir bereits in Versuch IX.2 beobachtet haben.
Aus
folgt
Eine ähnliche, aber leider kompliziertere Rechnung liefert für eine Kugel vom Radius r in einer laminaren Strömung das Reibungsgesetz
wobei
die Relativgeschwindigkeit der Kugel gegen die Flüssigkeit ist. Die Reibungskraft ist der Stokes'schen Reibung also proportional zur Geschwindigkeit.
Betrachten wir zu diesem Reibungsgesetz einen Versuch:
Versuch IX.5: Stokes'sche Reibung
Bei diesem Versuch soll die Sinkgeschwindigkeit verschiedener Kugel in einer zähen Flüssigkeit gemessen werden. Für den Versuchsaufbau benötigen wir einen Zylinder, der mit einer zähen Flüssigkeit gefüllt ist, mehrere Kugeln mit verschiedenen Durchmesser desselben Materials und eine Stoppuhr. Auf dem Zylinder sind zwei Meßmarken angebracht. Während des Versuchs soll die Zeit gestoppt werden, die die Kugeln brauchen, um den Weg zwischen den beiden Markierungen zurückzulegen. Die erste Markierung ist nicht an der Oberfläche der Flüssigkeit angebracht, damit sich erst ein Gleichgewicht einstellen kann.
Die Kugeln werden von der Gewichtskraft FG nach unten angezogen. Dem entgegen wirken die Reibungs- und Auftriebskraft FR und FA.
Für die Kräfte gilt
und
wobei der Index K die Größen der Kugel und der Index FL die Konstanten der Flüssigkeit bezeichnen.
Für die Sinkgeschwindigkeit ergibt sich mittels der Kräftebetrachtung ein Wert von
Der Versuch mit verschiedenen Kugeln bestätigte, daß die Sinkgeschwindigkeit proportional zum Quadrat der Radien der Kugeln ist.