IV.9: Energie des harmonischen Oszillators



Bei der Berechnung des Ballistischen Pendels haben wir bereits eine Energiebetrachtung vorgenommen. Dies wollen wir nun mit Kenntnis der Schwingungsgleichung für harmonische Oszillatoren verallgemeinern. Reibung und andere nichtmechanische Energieverluste seien also vernachlässigbar. Als Beispiel eines harmonischen Oszillators betrachten wir wieder die Federschwingung:

Die Bewegungsgleichung des Massepunktes m, der an einer Feder schwingt, kann, wie in IV.8.3 dargestellt, angegeben werden mit . Um die Berechnung zu erleichtern, setzen wir in unserem Beispiel die Phase a gleich null. Die Schwingungsgleichung lautet dann:

mit a = 0
Û ¬

Betrachten wir nun die kinetische Energie zu einem beliebigen Zeitpunkt. Mit Definition IV.5 gilt

mit
Û .

Die Gleichung für x(t) ist gegeben durch ¬ , kann über Differentation errechnet werden:

Û ­

Dieser Ausdruck ­ für die Geschwindigkeit als Funktion der Zeit eingesetzt in die Formel für die kinetische Energie ergibt

Û .

Jetzt untersuchen wir die potentielle Energie zu jedem Zeitpunkt . Nach Kapitel IV.1.5 gilt für die potentielle Energie der Feder

mit ¬
Û

Û

mit
Û .

Da wir nicht-mechanische Energien vernachlässigen wollten, gilt für die Gesamtenergie:

Û

Û

mit
Û


Wegen der Energieerhaltung gilt:


Merke: Die Gesamtenergie des harmonischen Ozillatorsist zeitlich konstant.

An den Umkehrpunkten ist die Auslenkung x gleich der maximalen Amplitude A0 und ein ganzzahlig Vielfaches von p . Also gilt mit und, Z:

Û

mit sinp = 0
Û

Das Einsetzen der Bedingung in

ergibt
.

In den Umkehrpunkten hat das Pendel nur potentielle Energie, die Geschwindigkeit ist null.


Eine analoge Rechnung für die Nulldurchgänge mit der Auslenkung x = 0 und liefert

und
.

In den Nulldurchgängen ist also die Geschwindigkeit maximal, die potentielle Energie hingegen null.


Zusammengefaßt bedeutet das:


Merke: Die potentielle Energie und die kinetische Energie werden periodisch vollständig ausgetauscht, die Gesamtenergie ist jedoch konstant.



Abschließend betrachten wir noch die mittlere kinetische und potentielle Energie :


Notation IV.8: Der (zeitliche) Mittelwert einer Größe W wird mit bezeichnet.


Merke: Der zeitliche Mittelwert (in der Zeitspanne von t = 0 und t = T) einer Größe W wird berechnet als. Der Nenner stellt dabei den Normierungsfaktor dar.

Für die kinetische Energie folgt mit damit:

Û

Û .

mit
Û .

Für die potentielle Energie folgt analog:

.

Mit
==

folgt:



Merke: Im zeitlichen Mittel steckt jeweils die Hälfte der Gesamtenergie in der kinetischen und der potentiellen Energie: .


Die Gültigkeit der Gleichung == kann man ohne Berechnung aus der Betrachtung des Graphen der Funktion ablesen.




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