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Der CMS-Detektor wird seit Ende 2006 in einer 100 m tiefen unterirdischen Halle in Frankreich, in der Nähe der schweizerischen Stadt Genf,
aufgebaut. Das nachfolgende Bild zeigt, wie eine der schweren
Detektorkomponenten (Bildmitte) an Stahlseilen in die Halle
heruntergelassen wird.
Mit diesem großen Detektor für Elementarteilchen
werden ab 2008 die Kollisionen von zwei hochenergetischen
Protonenstrahlen vermessen werden. Dann beginnt die spannende Suche
nach neuen Elementarteilchen und bisher unbekannten Kräften. Die
Protonen zirkulieren im neuen
ringförmigen unterirdischen Teilchenbeschleuniger LHC,
der mit Hilfe starker supraleitender Dipolmagnete die Protonen auf
Kreisbahnen mit einem Umfang von 27 km zwingt, denn so groß ist der
Beschleuniger!
Einen Blick in den LHC-Tunnel zeigt das untenstehende Photo. Links im
Vordergrund (blau) erkennt man einen Teil eines 15 m langen
Diplomagneten, von denen insgesamt mehr als 1200 Stück eingesetzt
werden.
Der Beschleuniger LHC ist das neue Flagschiff des Europäischen Labors für Teilchenphysik CERN, dem weltgrößten Zentrum dieser Art, an dem mehrere tausend Physiker und Physikerinnen aus 150 Ländern zusammenarbeiten. Der LHC - für Large Hadron Collider
- beschleunigt Protonen, also Kerne von Wasserstoffatomen, auf eine
Energie von 7000 GeV. Sie fliegen dann mit einer Geschwindigkeit von
mehr als 99.9999 % der Lichtgeschwindigkeit, auch das ist Weltrekord.
Bei der Kollision zweier Protonen wird eine Energie von 14000 GeV frei, die nach Einsteins Gleichung E = mc²
ausreichen würde, 15000 neue Protonen zu erzeugen. Bei den
Zusammenstößen können verschiedene Teilchen entstehen, solche, die
schon aus anderen Experimenten bekannt sind, aber vielleicht auch neue,
schwere Teilchen, die an bisherigen Beschleunigern, die an die
LHC-Energie bei weitem nicht heranreichen, nicht erzeugt werden
konnten. Aufgrund theoretischer Überlegungen
werden folgende zu entdeckende Teilchen favorisiert:
- Das Higgs-Teilchen, das vor 40 Jahren von dem britischen Physiker
Peter Higgs postuliert wurde, um zu erklären, warum die
Materiebausteine eine Masse (bzw. Gewicht) haben können. Bis heute
konnte dieser fundamentale Baustein im Verständnis des Mikrokosmos
experimentell nicht nachgewiesen werden.
- Partnerteilchen der bekannten Elementarteilchen: Diese noch nicht
entdeckten SUSY-Teilchen sind nicht zuletzt deshalb heiß begehrt,
weil möglicherweise die Dunkle Materie im Universum, für die die
Astrophysiker bisher keine Erklärung gefunden haben, aus solchen
SUSY-Teilchen besteht.
Der 12500 Tonnen schwere CMS-Detektor wird die bei
Proton-Proton-Kollsionen entstehenden Teilchen (jeweils einige
hundert)nachweisen und genau vermessen und so nach neuer Physik
fahnden. Der
abgebildete Querschnitt durch den CMS-Detektor zeigt schematisch, wie
im Kollisionspunkt im Zentrum entstehende Teilchen in den verschiedenen
Lagen des Detektorsystems identifiziert und ihre Energien bestimmt
werden können.
Herz des CMS-Experiments ist eine supraleitende
Magnetspule mit einer Feldstärke von 4 Tesla (blauer Ring) der zusammen
mit dem rot eingezeichneten Magneteisen dafür sorgt, dass die Bahn
geladener Teilchen gekrümmt wird. Im Bild wird dies am Beispiel der
Spur eines Myons (das sind gut bekannte Elementarteilchen, die als
Komponente der kosmischen Höhenstrahlung unsere Körper dauernd
durchfliegen) veranschaulicht.
Die Flugbahn des Myons wird mit präzisen Spurdetektoren verfolgt, mit Silizium-Detektoren (hellbraun) im Inneren von CMS, mit gasgefüllten Myonkammern
im Außenbereich (hellgrau). Aus der Bahnkrümmung kann man die
Teilchenenergie, eine wesentliche Größe bei der Rekonstruktion der
Proton-Proton-Wechselwirkung, berechnen. Einige Teilchen wie Elektronen
werden im Kalorimeter (siehe Abbildung) absorbiert und geben
dabei Licht ab, das zur Energiemessung dient. Das CMS-Kalorimeter
besteht u.a. aus 80000 Bleiwolframat-Kristallen, die eine besonders
hohe Messgenauigkeit erlauben.
Die wichtigsten Komponenten des CMS-Detektors konnten schon 2006 mit kosmischen Myonen erfolgreich getestet werden.
Um auch sehr seltene neue Teilchen aufspüren zu
können, treffen die Protonstrahlen 40 Millionen mal pro Sekunde
zusammen, und das über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Entsprechend
hoch ist die Informationsmenge, die der CMS-Detektor verarbeiten muss;
selbst nach elektronischer Vorauswahl müssen pro Sekunde soviel Bytes
abgespeichert werden, wie auf eine CD passen. Um aus den vielen - meist
unspektakulär verlaufenden - Kollisionsereignissen die interessanten
herauszufischen (etwa solche mit einem Higgs), benötigt man weltweit
mehr als 10000 Computer.
Die deutschen CMS-Forschergruppen haben wesentliche
Beiträge zu Entwicklung und Konstruktion der Spurdetektoren
(Silizium-Streifendetektoren und gasgefüllte Driftkammern) geleistet.
Der Silizium-Streifendektor ist mit einer aktiven Fläche von 210 m² der
mit Abstand größte Detektor seiner Art. Er besteht aus feinen, im
Abstand von typisch 0.05 mm angeordneten Siliziumstreifen. Er kann
Spurpunkte durchfliegender Teilchen mit einer absoluten Genauigkeit von
0.02 mm (weniger als Haardicke!) rekonstruieren. Das Photo zeigt einen
fertiggestellten Teil des Siliziumdetektors in einem Labor der RWTH
Aachen vor dem Transport zum CERN.
Die Myon-Driftkammern müssen eine Fläche von
insgesamt 18000 m² abdecken, das entpricht zwei bis drei
Fußballplätzen. Myonen ionisieren das Gas in den Kammern und lösen so
ein elektrisches Signal aus. Hier wird eine Ortsauflösung von 0.2 mm
erreicht. In der
Abbildung sieht man 10 aluminiumfarbene Myonkammern nach der
Installation im roten CMS-Magneteisen.
Die deutschen CMS-Physiker arbeiten intensiv an der
Vorbereitung der Datenalyse, um vielleicht schon im Jahr 2008 eine
erste Entdeckung machen zu können. Die jetztigen Arbeiten umfassen
sowohl den Aufbau einer adäquaten Computing-Infrastruktur als auch
detaillierte Simulations-Studien, z.B. zur Identifizierung und
Vermessung von SUSY-Teilchen.
Weitere Informationen findet man auf den Web-Seiten der internationalen CMS-Kollaboration und auf den Homepages der beteiligten deutschen Institute.
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